Historischer hintergrund
Die Abtsgärten befinden sich in terrassierter Form auf einem Bergsporn an der Ostseite auf den Resten einer früheren Vorburg der Iburg.

Als ehemalige Residenz der Osnabrücker Fürstbischöfe mit Benediktinerabtei St. Clemens (salischer Burgentyp aus dem 11. Jahrhundert) werden die Gebäude, bis auf die Evangelische Schlosskirche und die ehemalige Klosterkirche, heute vom Eigentümer, dem Land Niedersachsen, als Behördenhaus genutzt.

600 Jahre, bis 1673 Fürstbischof Ernst August von Braunschweig Lüneburg das neue Schloss in Osnabrück erbauen ließ, war Iburg die Residenz der Fürstbischöfe von Osnabrück. Ernst August, der spätere erste Kurfürst von Hannover, betrat hier 1662 die Bühne der Geschichte. Er erbaute die evangelische Schlosskirche, die heute als Gemeindekirche dient, und erlebte im Schloss die Geburt seiner Tochter Sophie Charlotte, seit 1701 die erste Königin in Preußen. Seine Gemahlin Sophie von der Pfalz, eine Stuart-Enkelin, brachte die Anwartschaft auf die Krone Großbritanniens mit, die 1714 mit Georg I., dem ältesten Sohn der beiden, Wirklichkeit wurde.

Wegen dieser historischen Ereignisse, kommt dem Schloss eine identitätsstiftende Bedeutung nicht nur für die Region Osnabrück, sondern für das Land Niedersachsen insgesamt zu.

Der barocke ausgestaltete Rittersaal von 1650 - 56 und andere historisch und architektonisch interessante Teile wie Welfenflügel, Bergfried, Refektorium und Kapitelsaal im Kloster von 1755-56, einschließlich der beiden Kirchen, werden jährlich im Rahmen von Führungen und anderen kulturellen Veranstaltungen (Konzerte, Vorträge pp.) etwa 16.000 Gästen gezeigt.

Während sich die Gebäude in einem guten Zustand befinden, sind die Abtsgärten, als der schönste Teil der Außenanlage, bisher bei staatlichen Baumaßnahmen stets unberührt geblieben. Ihr Zustand ist nicht vorzeigbar (s. a. Fotodokumentation).

Obwohl es vom originalen Bauzustand von 1756 weder in den Archiven noch in der Literatur, abgesehen von dem Lageplan nach Doeltz von 1851, Unterlagen gibt, muss es sich um einen Kompromiss gehandelt haben. Bekannt ist, dass sich der Abt Adolphus Hane und sein Baumeister Johann Conrad Schlaun zerstritten haben und der Abt nach eigenem Gutdünken die Pläne Schlauns nicht immer zum Besten geändert und danach das
Bauvorhaben vollendet hat. So liegt nun der Haupteingang zum Kloster im nördlichen Seitenflügel. Ein Barockgarten nach Schlaun hätte sich nach Entfernen der Vorburg mit dem Haupteingang im Mittelrisalit terrassenförmig zum Ort hin geöffnet.

Dann wäre die ausdrucksvolle, reich gegliederte barocke Fassade mit ihrer ikonografischen Ausstattung, mit den verschiedenen Chronogrammen und den „redenden“ Wappen zweier Äbte (s. Fotodokumentation) viel aussagekräftiger und vor allen Dingen weit besser wahrnehmbar gewesen.


aufgestellt: 21.01.2007
Horst Denningmann